BERLIIN - KOLONIE
Edouard BOYER (F) - BERLIIN - KOLONIE
19.01 - 23.02.2008
Eröffnung, Samstag 19.01.08, 19 Uhr
“Im September 2006 schuf ich BERLIIN als Doppelbild von Berlin. Eine Werbekampagne säumte Berlins Straßen und assoziierte das BERLIIN Logo mit einer Luftansicht der Stadt.
Am 2. Juli 2007 ließ ich mir das Logo am Fuß tätowieren. Nun trage ich BERLIIN über die Grenzen Berlins hinaus. Seit dem 2. August tragen weitere fünf Personen das gleiche Motiv auf ihrem Fuß, dadurch ist die BERLIIN - KOLONIE entstanden. Wir bilden ein unsichtbares Territorium, deren Form sich unseren Koordinaten anpasst. Die Welt wird von BERLIIN heimgesucht”. (Édouard Boyer).
BERLIIN - KOLONIE: neues Territorium, neue Fremdsprache. Berlin mit zwei i? Und warum ein tätowierter Zahn, ein Wappen, ein Bilderrätsel (« dent » pour « dans »?), ein postpostmodernes Logo, das durch die Entfremdung der Marke zur Öffnung der Botschaft führt? BERLIIN, oder das Abenteuer durch die simple Verdoppelung des Vokals (« i rot », schreibt Rimbaud (1). Eine polygone rote Karte). Um sich der Ratlosigkeit zu entziehen, muss sich der Betrachter selbst in Bewegung setzen, vielfache Assoziationen herstellen, sich geistig aktivieren.
«Dummheit ist nicht meine Stärke», erklärte Paul Valérys Monsieur Teste, der so scharfsichtig ist, dass er darauf verzichtet, nicht mehr anonym zu sein. Edouard Boyer ist ein Draufgänger in jeder Hinsicht, auch er setzt auf den Esprit. Seine mobile Arbeit, die aus Wortspielen, Einbildungskraft, Freiheit, fröhlicher Sensibilität besteht, missachtet nicht das intellektuelle Vergnügen. Boyers Arbeiten (Zeichnungen, Texte, Websites, Umfragen, unterschiedliche Protokolle…) sollen sich über ihre plastische Erscheinung hinaus auch mental visualisieren lassen. Sie erfordern die aktive Teilnahme des Betrachters, der dazu eingeladen wird, die unterschiedlichen Prozesse, Verschiebungen, Versetzungen, die zu diesen Formen geführt haben (und auch in sich Formen sind) aktiv zu wiederholen und seine eigenen Assoziationen zu machen und gleichsam in die Rolle des Koproduzenten zu schlüpfen. Diese Herangehensweise spielt nicht zuletzt mit der Idee der Auflösung der künstlerischen Signatur, zugunsten neuer Modalitäten der Kreation, der Präsentation und des Austauschs künstlerischer Formen.
In seiner Einzelausstellung bei MARS kreiert E. Boyer einen Raum bestehend aus zwei Wandmalereien, einer Serie von photographischen «Landschaften» und einem Skulptur-Objekt, einem « Kalender » in polygoner Form, der die mobilen Konturen von BERLIIN darstellt.
«Das Haus verlassen und durch die Stadt gehen, von der Eigenliebe befreit sein, und Anderen das Schreiben über eben diese, seine, zu überlassen» träumte der Künstler eines Tages.
Mit der BERLIIN-KOLONIE geht dieser metaphorische und visuelle Prozess weiter. Ein individueller und kollektiver Prozess der BERLIIN-Tätowierten.
Edouard Boyer ist 1966 in Le Havre geboren. Er lebt und arbeitet in Paris.
(1), Arthur Rimbaud, Voyelles, 1872
(2) Paul Valéry, La Soirée avec Monsieur Teste, 1896
Mit freundlicher Unterstützung von Culturesfrance/BDAP - Französische Botschaft

